einfach mal treiben lassen

Als ich heut das Karstadt verließ, kam mir der Gedanke, den Weg nach Hause zu Fuß zurückzulegen. Es war zwar bewölkt, jedoch regnete es nicht und es war angenehm warm. Anstatt irgendeinen mir bekannten Weg einzuschlagen, entschied ich, einfach in ungefähre Richtung draufloszugehen.

So kam ich etwas von meinem eigentlichen Weg ab, und geriet quer durch ein Wohnviertel direkt auf die Freiberger Straße. Ich entschied mich, am Yenidze abzubiegen und folgte dem Weg Richtung Eissporthalle. Irgendwie zog es mich Richtung Natur, und da ich alles an Verpflichtungen erledigt hatte und mich nichts drängte, gab ich diesem Verlangen nach.

Ich passierte einen Sportplatz, auf dem Menschen sich zu Musik sportlich betätigten, und bewegte mich direkt auf eine Allee zu. Die Stadt ließ ich hinter mir. Die kontinuierlich abklingende Musik wich allmählich Vogelgezwitscher und die verschiedensten Gedanken stiegen in mir auf. Ich überlegte mir, wie es ist, einfach alles hinter sich zu lassen, und pure Natur zu erleben. Mir kam das Hörspiel von Paulo Coelho, der Jakobsweg in den Sinn.

Zwei Menschen liefen einen Pilgerweg in Spanien entlang, einer von beiden bereits das zweite Mal. Er agierte daher als Führer. Zu Beginn der Reise stellte sein Schützling nach sieben Tagen fest, dass sie im Kreis gelaufen waren. Er war so versessen auf das Ziel, dass er dies nicht schon vorher bemerkte. Doch dies war Teil der Lektionen. Nicht das Ziel, sondern der Weg ist das Ziel.

Dieser trivial klingende Satz gewinnt jedoch schlagartig an Bedeutung, wenn man ihn lebt. Und so lief ich einfach darauf los, wie ich grad Lust hatte und ließ mich in Gedanken treiben. Der intensive Geruch nach frischem Grün verstärkte das Gefühl von Zufriedenheit noch weiter.

Als ich die Flügelwegbrücke erreichte, holte mich zwar die Zivilisation wieder ein, ich lief jedoch an der Elbe entlang, und konnte so noch ein wenig weiter entspannen. Da mittlerweile bereits eineinhalb Stunden vergangen waren, seid ich das Karstadt verlassen hatte, bog ich auf der anderen Elbseite wieder Richtung Neustadt ab. Kurz vorm Ballhaus Watzke genehmigte ich mir dann ein herrlich frisches Hefeweizen und genoß noch ein wenig die Ruhe auf einer Terasse.

Der Rückweg ging dann wie von selbst, da meine Beine mittlerweile das vom Wandern her bekannte Stadium erreicht hatten, welches auf Schmerzen folgte. Man läuft halt, wobei es keine Rolle mehr spielt, ob noch ein oder fünf Kilometer folgen.

In der Neustadt angekommen, wurde ich von einer Schar Frauen begrüßt, eine davon im Nonnenkostüm. Will wohl morgen heiraten. Die Arme. Ich hab mich dann zu einem Tausch überreden lassen. Zwei Euro gegen einen Kuss auf den Mund schien in Anbetracht des Aussehens der Dame angemessen…

Nun ja, insgesamt war ich abzüglich zweier kleiner, und einer Bierpause drei Stunden unterwegs. Und ich muss sagen, dass ich in dieser Zeit mehr entspannt habe, als an manchen Sonntagen.

3 Antworten to “einfach mal treiben lassen” »»

  1. Kommentar by schmidtl | 28.04.06 at 17:56

    “Nicht das Ziel, sondern der Weg ist das Ziel.” ..wie ich diesen Satz liebe…kommt gleich nach “träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum” o_O

  2. Kommentar by SkyFlash | 28.04.06 at 20:17

    Rmmpf. Wie ich merke hast du Besprochenes noch nicht wirklich erlebt… Aber nun gut, sei’s drum. Pussy bleibt halt Pussy…. ;)

  3. Kommentar by schmidtl | 29.04.06 at 16:11

    …und das Leben bleibt halt das Leben, bis zum Tod…also carpe diem ;) …hopla, noch so’n mißbrauchter worthaufen… manchmal möchte man nur schreien :o)

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