Gier ist der Anfang vom Ende

Was geschieht, wenn sich eine Industrie gegen diejenigen wendet, durch die sie gewachsen ist, diejenigen, die ihr ihre jetzige Größe erst ermöglicht haben? Wir werden sehen.

Im Konkreten ist hier von der Musik- und Filmindustrie die Rede. Wie hätte sie je ihre jetzige Größe und ihre Macht erreichen können, wenn nie Werke kopiert worden wären? Dieser Boom wurde erst durch eine massenhafte Verbreitung ausgelöst. Was wäre, parallel betrachtet, Microsoft denn heute, wären ihre Betriebssysteme nie massenhaft kopiert und damit verbreitet worden? Erst das Verteilen der Werke und damit ein Anstieg des breiten Interesses hat diese Umsätze erschaffen.

Damit mich keiner falsch versteht, ich achte die Rechte der Urheber und schätze deren Werke. Doch eine derartige Kriminalisierung, wie sie mittlerweile geschieht, ist absurd.

Ein “Werbespot” der Filmindustrie stieß mich vorkurzem besonders schwer auf. Zu sehen war eine Mutter mit Kindern, wie sie lautstark ein Geburtstagslied für ihren Vater(bzw. Mann) in die Kamera sangen. Ein abschließender Schwenk auf ein Gefängniss machte die Szene grotesk. Das Einblenden der Worte “Raubkopierer sind Verbrecher” zeugte von einer Gefühlskälte, die ihresgleichen sucht.

Schlimmer noch, das derzeitige Bestreben eben dieser Industrie, ein Gesetz herbeizuführen, welches ihnen ermöglicht, Adressen bei Vorlage der IP von Internetprovidern ohne polizeiliche Verfügung zu erhalten, um direkt gegen “Raubkopierer” vorgehen zu können, grenzt an Selbstjustiz.

Ebenso lächerlich sind die genannten “Schadenssummen”. Hier wird einfach die Anzahl der Kopien mit dem jeweiligen Verkaufspreis multipliziert. Solche riesen Summen wirken natürlich bedrohlich. Doch ist dies bei näherer Betrachtung eine Milchmädchenrechnung wie sie im Buche steht.

Fakt ist, dieses Kapital existiert dafür nicht. Auch wenn niemand mehr kopieren würde, so würden, vorsichtig geschätzt, lediglich zehn Prozent dieser Menschen diese Werke wirklich kaufen. Der tatsächliche “Schaden” liegt also deutlich niedriger. Mal ganz von der Bekanntheitssteigerung durch Verbreitung abgesehen. Denn wie bereits erwähnt, hat genau diese doch erst zu dem Boom geführt.

Grotesk, wohl war.

Die einzig logische Konsequenz aus diesem Verhalten ist in meinen Augen eine Abkehr von dieser Industrie. Es gibt innovative Alternativen. So bieten NetLabels beispielsweise Musik online an. Jedem steht es frei, Werke herunterzuladen und zu genießen. Sollte man Gefallen daran gefunden haben, kann man sich für eine Spende oder einen Kauf des entsprechenden Werkes entschieden. Man muß aber nicht.

Genau diese Freiheit erzeugt auch wieder Lust darauf, Geld für solche Werke auszugeben. Doch für solch avantgardistische Ideen ist die Musik- und Filmindustrie nicht offen. Es bleibt zu hoffen, dass sie ihre Lehre durch Umsatzeinbrüche erteilt bekommt.

Nicht Gewalt ist die Lösung, sondern neue Ideen.

Beispielhaft sei hier erwähnt:
thinner/autoplate

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