Kopiersperren nehmen groteske Züge an
Wie heise heute berichtete, kommt nun zum ersten Mal ein neuer Kopierschutz, genannt Aplha-DVD, des koreanischen Herstellers Settec bei dem Film “Mr. & Mrs. Smith” zum Einsatz.
Wie schon der von Sony eingesetzte Kopierschutz XCP (heise berichtete) erzwingt auch Alpha-DVD die Installation von Software, die sich derart tief ins System einnistet, dass sie mit normalen Mitteln nicht mehr zu entfernen ist. Hinzukommt, dass diese Software wie im Falle von XCP auch noch schwerwiegende Sicherheitslöcher ins System reißt, oder wie Alpha-DVD selbst beim Brennen von legalen Daten-DVDs Rohlinge zerstört.
Deinstallationsroutinen existieren zwar, man wird allerdings mittels mehrfacher mails, Codes abtippen, und zwingend notwendigem Internetzugang einer Tortour ausgesetzt, die nicht nur an Nötigung grenzt, sondern dies bereits ist. Ganz zu schweigen von denjenigen, die über keinen Internetzugang verfügen und denoch “Mr. & Mrs. Smith” sehen wollen… Lehnt man diese gesamte Prozedur ab, wird eine Wiedergabe des Mediums schlicht verweigert.
Als ebenso kritisch zu betrachten ist, dass man zum Abspielen einer DVD Administrator sein muss, da sonst diese Eingriffe ins System scheitern. Schlimm genug, dass immer noch die meisten Windowsanwender alles als Administrator tun, so werden sie durch solche Maßnahmen auch nie davon abkommen. Wie soll man einem technisch wenig versiertem Anwender begreiflich machen, dass er als normaler User arbeiten soll, wenn er damit noch nicht mal eine DVD schauen kann…
Bei allem Respekt vor dem Urheberrecht und den Künstlern die davon leben wollen, aber die Grenzen zum eindeutig Sittenwidrigem und genaugenommen sogar schon Kriminellen sind längst seitens der Musik- und Filmindustrie überschritten worden. Derartige Eingriffe in die Systeme der Kunden bis hin zur Destabilisierung sind eindeutig schädigend und gefährlich. Das extreme Zurückhalten der Deinstallationsroutinen macht die Sache noch schlimmer.
Es zeichnet sich deutlich ab, dass die Musik- und Filmindustrie ohne Rücksicht auf Verluste mit aller Macht versucht, lediglich ihre Interessen durchzusetzen. Daher wird es dringend Zeit, dass der Gesetzgeber hier Handlungsbedarf erkennt und regulierend eingreift. Nicht nur Interessen der Konzerne, sondern auch die der Kunden müssen geschützt werden.